Die Kerzen

Staatsakt (LC 15105) / Zebralution – 09.12.2022

2022 war nicht so richtig das Jahr der KERZEN. Obwohl sie extra von Ludwigslust nach Berlin gezogen sind. Gut, das war bereits im Februar 2020, wenige Wochen vor der Pandemie. Dann haben sie trotz aller Hindernisse ihr 2. Album zusammen mit dem Produzenten Jochen Naaf in Köln aufgenommen. „Pferde & Flammen“ ist ein tolles New Romantic Album, das ihre große Liebe für 80ies Pop-Bands wie Prefab Sprout oder China Crisis durchklingen läßt. Mit „Küss mich nochmal“ erscheint nun nochmal eine Single im neuen Edit. Das Video entstand bei einem Video-Workshop für Kinder- und Jugendliche in ihrer Heimatstadt Ludwigslust unter der Leitung von Marcus Wojatschke.

Die Türen

Staatsakt (LC 15105) / Zebralution – 02.12.2022

Die Türen arbeiten gerade an ihrem 6. Album und haben unterdessen befreundete Musiker*innen gebeten, ihren 2019er Song „Miete Strom Gas“ nochmal zu überarbeiten, um der brennenden Aktualität des Songs einen gewissen Nachdruck zu verleihen. Herausgekommen sind insgesamt 8 Versionen, die das geschäftstüchtige Staatsakt Label nun in 3 EPs geteilt hat. 3 ungefragte EPs zu den aktuellen Katar-Deals, wenn man so möchte! Hier ein erster, irgendwie auch „brennender“ Eindruck.

Die Lieferanten

Life is live

Jahresabschlusskonzert am 27. Dezember im „Hot Jazz Club“ in Münster. Kommt rum!

Nitsch

Staatsakt (LC 15105) / Zebralution – 11.11.2022

Aus Wien, Linz oder Graz kommt in den letzten Jahren immer wieder äußerst „leiwande“ Musik daher. Heute möchten wir NITSCH alias Niklas Mitteregger aus der letztgenannten Stadt vorstellen. „Is OK“ ist die erste richtige, eigene Single (die allererste, „Mutant Funk“, war mehr oder minder ein Wet Leg Rip-Off) und die kommt gleich so unverschämt lässig daher, dass sie die Gehörgänge nur schwer wieder verlässt und sich auch hinter dem Oeuvre verdienter Kollegen wie Hansi Hölzel oder Maurice Ernst nicht verstecken muss. Außerdem hat ihn beim komponieren und produzieren ein gewisser Nick McCarthy unterstützt, dessen ehemalige Band durchaus auch schon einen gewissen Bezug zu Österreich (Monarchie) hatte. Also: take me out!

Gisbert vs. Paula Paula

Paula Paula – 11.11.22

Gisbert zu Knyphausen hat an der neuen Paula Paula Single mitgewirkt, die heute erscheint. „Kaputtes Gerät“ ist die erste Singleauskopplung des Debütalbums „schade kaputt“. Laut Künstlerin das gesungene Boomer-Versagensgeständnis in Bezug auf die Klimakatastrophe an alle folgenden Generationen. Von vertröstenden Politversprechen: „Wenn die Grünen an der Spitze stehen, dann wird alles gut meine Kind“ bis hin zur absoluten Kapitulation „Wir tun was ihr sagt, Kinder kommt uns regieren“ kann man den Sinneswandel der letzten 10 Jahre mitverfolgen. Autogetunter Pseudopunk zum Lachen und Heulen und zum auf der nächsten FFF-Demo-Grölen.

David J. Kirchner

Staatsakt (LC 15105) / Zebralution – 04.11.2022

„IG POP“ heißt das neue Album von David Julian Kirchner ebenso wie diese Single. Und die IG POP stellt dabei so etwas wie ein solidarisches Bündnis aller Solo-Selbstständigen und kreativen Kulturarbeiter*innen dar – bzw. formuliert es die Sehnsucht nach einem solchen: raus aus Zwangsindividualisierung!

Es gibt Neuinterpretationen altbekannter Arbeiterlieder, vom „Einheitsfrontlied“ bis zur „Internationale“. Dazu gibt es Songs aus Kirchners eigener Feder, wie eben die IG POP Gewerkschaftshymne. Auf den Pfaden von Devo, Billy Bragg, Franz-Josef Degenhardt, Die Sterne und Heaven17 schafft David Julian Kirchner ein Gesamtkonzept, das auch ohne konzeptionellen Überbau als mitreißendes Pop-Album funktioniert.

„Girls get up, boys boycott!
Auf geht’s! Maschinen stop!
Probt den Aufstand! Roter Knopf!
Alles tanzt wie Iggy Pop!
Das ganze Land, unter Schock!
Skandal, Skandal die IG-Pop!“

Live und in Farbe demnächst hier: 13.11.22 Stuttgart, Club Cann – 14.11.22 Haldern, Haldern Pop Bar – 17.11.22 Rüsselsheim, Das Rind – 22.11.22 München, Glockenbachwerkstatt – 29.11.22 Köln, Bumann & Sohn

Pauls Jets

Staatsakt (LC 15105) / Zebralution – 04.11.2021

Bereits im Februar erschien das sensationelle Album „Jazzfest“ der Wiener Band Pauls Jets. Ein hybrides Wunderwerk zwischen Austropop, Indie- und Krautrock. Mit der Single „Flieger“ geht die Reise nun bald zu Ende. Mit einem Flugzeugabsturz. Also der tragisch-komischen Erzählung davon. Wie das wohl in Zeiten von Flug-Shaming aber auch Leerflügen da draußen ankommt? Für Club-Gänger*innen und Radio-Sendungen über die Musik, die in Clubs läuft, gibt es einen „Flieger“ Dub-Remix von DJ Gusch, ebenfalls aus Wien stammend.

David J. Kirchner

Staatsakt (LC 15105) / Zebralution – 05.10.2022

David Julian Kirchner und seine IG-Pop. Ein schwieriges Thema. Pop und Gewerkschaft? Arbeiter*innenlieder für Indie-Popstars? Wie soll das gehen in einer Welt der Solo-Selbständigen und Selbstausbeuter*innen? Wem wird es nützen? Dennoch, als Utopie ist es ein schöner Gedanke, ist Pop doch noch immer eine der größten aller Utopien. Ein endloser Utopienmarkt. Ein großer Konkurrent für den Pop sind die Esoterik und ihre Ausläufer: teils natürlich fester Bestandteil der Pop-Kultur, aber längst auch eigene Märkte und Diskurse bildend. So bewegt sich David Julian Kirchner im Video zur neuesten Single „Wir gehen in die Sonne“ in einer dubiosen Gemeinschaft mit merkwürdigen Ritualen und Erlösungsversprechen. WTF! Ein Gewerkschafter bei Scientology? Womöglich. Die Bilder erinnern jedenfalls stark an den hervorragenden Spielfilm „Midsommar“ von Ari Aster. Achtung Spoiler: Ritualmord inklusive.

Die Lieferanten

Blickpunkt Pop (LC 01448) / Album-VÖ: 16.09.2022

Es hat geklingelt. Du machst auf. Wer kann das schon sein? Erst mal auspacken… https://on.soundcloud.com/1819Q

Die folgenden Worte können vermutlich kaum einem ehrlichen Unboxing gerecht werden. Vielmehr können sie dem nachkommen, was auch „Liebe in Paketen“ bietet: Perspektiven.

Die Münsteraner Band Die Lieferanten veröffentlicht ihr Debutalbum „Liebe in Paketen“. Bei dem Titel handelt es sich nicht nur um eine Hommage an den eigenen Bandnamen. Auch der Inhalt dieses Paketes, an dem Jonas (Keys), Aaron (Bass), Lukas (Drums) und Moritz (Git/Vox) fast zwei Jahre gebastelt haben, ist von verschiedenen Facetten des Leviathans, den wir Liebe nennen, gespickt. Dass Liebe und ihre Ausprägungen allumfassend und in der Popmusik nicht wegzudenken sind, davon können auch Die Lieferanten ein Lied singen. Oder 12.

Hinter jedem Song verbirgt sich ein anderes Päckchen, das man zu tragen hat. Seien es Kämpfe zwischen Hass im Netz und Selbstliebe („Voodoo“), zwischen hedonistischen Allüren und der Liebe zur Zukunft („Vergänglich“), zwischen der Liebe zur Sprache und ihren Tücken in der Liebe („Alle Worte Tanzen“) oder zwischen Liebe nehmen und Liebe geben („Anstellen“). In vielen Päckchen finden man ein Schlachtfeld des inneren Konflikts. In anderen bloße Erkenntnisse: „Warum nimmt mich niemand auf die Schultern / Alleine kann ich das nicht schultern“ („Realität“) oder „Unsere Eltern werden stolz sein“(„Eintag“). Und in wieder anderen wird sich einfach so lange mit Öl („Olio“) eingerieben bis auffällt, dass damit nicht nur an allen Problemen vorbeigerutscht wird, sondern auch an allen… 

Uups, in der Zeile verrutscht! Manche Songs versuchen offensichtlich auch, sich ernsten Themen mit Humor und Augenzwinkern anzunähern. Das klappt ganz gut. Was aber alle miteinander verbindet, sind wiederkehrende inhaltliche Widersprüche. Textlich wie musikalisch hält „Liebe in Paketen“ jeden noch so pluralistischen Inhalt aus – und das Verpackungsmaterial ihm stand.

Vorzugsweise werden dafür funky Grooves und Bässe verwendet, die mit schicken Indie-Sounds von Gitarre und Keyboard aufgehübscht werden. Und ganz im Sinne der erwähnten Widersprüchlichkeit gibt es dann hier und da mächtige, fast pathetischen Momente, die Musikanten, wie Hörern dabei helfen, dem auffällig fordernden Textmaterial standzuhalten.

Das Paketband dabei ist Sänger Moritz, dessen Stimme irgendwie alles zusammenhält. Catchy Refrains wie in „Anstellen“, „1-Click-Buy“ oder „Vergänglich“ werden nicht nur in ein gemütliches Backingpolster eingebettet, sondern bekommen durch den auch mal rauen, aber immer leidenschaftlichen Leadgesang einen ordentlichen Boost an Energie verpasst.

Am Ende des Albums steht mit „Sonntag“ ein Song, der Express-Lieferungen und Feelgood-Attitüde der Indie-Hymnen ebenso hinter sich lässt wie verkopfte Textzeilen und das kritische Hinterfragen des First-World-Lebensstils. Denn letztlich dreht sich doch alles nur darum, im ganzen (digitalen) Selbstverwirklichungswahn und der Egomanie dieser Tage einen Hauch von Nähe, Zweisamkeit, ja Intimität zu erhaschen und ebenso im Wirrwarr von Lebensrealitäten und –welten einen eigenen Platz und konstruktiven Austausch zu finden – auch wenn diese Dinge zwischen all dem Verpackungsmüll meist nur sehr schwierig auszumachen sind. 

Unzucht

Out of Line Music (LC 02947) – 09.09.2022

Schizophrenie – sicher kein ganz einfaches Thema für ein popmusikalisches Werk.

Andererseits gab es – speziell seit Erfindung der Rockgitarre – auch immer wieder unterschiedlichste Versuche von Künstlern diverser Genres, sich dieser Materie zu nähern. Real im täglichen Leben und natürlich auch in ihren Songs… So nun also auch die gute alte UNZUCHT, die dieser Tage bereits auf eine 10-jährige Schaffensperiode zurückblicken kann und dies mit einer Best of… Compilation feiert, die sich gewaschen hat. Songs aus allen Alben der Band wurden nicht einfach nur neu zusammengewürfelt – sondern zur guten Hälfte nochmal komplett neu im Studio eingespielt. Und mit der Single „Wo die Stimmen schweigen“ ist auch ein komplett neuer Song am Start, der sich – kommen wir auf die einführenden Sätze zurück – mit dem Thema Schizophrenie auseinandersetzt.

Die Compilation mit dem bezeichnenden Titel  „Chaosmagie“ erscheint dann am 21.10.22 in gleich in drei Varianten:  2CD, 2LP Gatefold Vinyl und Ltd. Edition 3CD Box Set.

Das letzte UNZUCHT Studio-Album „Jenseits der Welt“  brachte der Band mit #9 in Deutschland den besten Chart-Einstieg der bisherigen Karriere ein. Das Quartett kombiniert Einflüsse aus Gothic, Industrial und Metal in seinem Sound mit beindruckenden, melodischen Gesangslinien. Man bedient sich dabei unterschiedlichster Stile – mit messerscharfen Riffs, epischen Synthies, tickernden Sequenzern und dicken Drumbeats werden die deutschsprachigen Hymnen zum Leben erweckt.

„… und wir spielen UNZUCHT!“

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